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Jolly
Jinx hier kann man gleich zur
Bauanleitung des Korpus weiterskippen
VorgeschichteDer Name Jolly Jinx
(sinngemäß fröhlicher Pechvogel)
den die Gitarre
nach ihrer Fertigstellung erhalten hat, resultiert daraus, dass beim
Bau und bei der Materialbeschaffung für das Projekt so
ungefähr alles
erstmal schiefgegangen ist, was überhaupt schiefgehen kann.
Der gesamte Bau dieser Gitarre scheint ein bischen verhext gewesen zu sein. Das fing mit der Lieferung von windschiefen Ahornbrettern für die Decke an, ging damit weiter, dass die ausgesuchten Mechaniken mehrere Wochen lang nicht aufzutreiben waren, weshalb ich dann doppelt so teure kaufen musste und hörte mit der Lackierung, die einfach nicht glänzen wollte noch längst nicht nicht auf. Vom Knochenleim, der nur mal kurz den Hals fixieren sollte und sich dann nicht wieder lösen ließ, fang ich lieber gar nicht an zu reden. Letzlich ist dann unter Zuhilfenahme von diversen Flüchen, Beschwörungen und viel, viel Frohsinn und Geduld doch noch alles gut gelungen, nur dass es eben nicht 4 Wochen gedauert hat, sondern 3 Monate bis die Gitarre endlich fertig war. |
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Die Idee zu einer Gitarre, die
alle für mich in Frage kommenden Sounds abdeckt, beschäftigte
mich
schon lange und Ende 2004 begann ich mit der Planung einer Gitarre, die
diese eierlegende Wollmilchsau werden sollte.
Die Anforderungen waren: vor allem leichtgewichtig sollte sie sein, einen warmen Jazzsound und gleichzeitig einen rotzigen Bluessound sollte sie hervorbringen können und außerdem wollte ich dem E-Gitarren Sound auch noch eine akustische Komponente durch den Einbau eines Piezo hinzufügen. Das gewisse Schimmern, welches Gitarren mit Trapez Tailpiece oder Bigsby hervorbringen wollte ich ihr mit einem Tremolo entlocken. Um das Gewicht gering zu halten, entschied ich mich für eine semiakustische Bauweise. Die Zargen wurden aus Erle ausgesägt und mit einer gewölbten 12mm starken Ahorndecke und einem 4mm flachem Boden, ebenfalls Ahorn, verschlossen. Der Korpusbau Wie auch schon bei der "Radiocaster"
habe ich, mit der Stichsäge,
die Zarge ausgesägt, nur diesmal aus einer 30mm starken
Erlenbohle, statt aus 3 Multiplexbrettern. Für die Decke
verwendete ich zwei 14 mm starke, spiegelnd aufgesägte
Ahornbretter, die leider windschief
geliefert wurden und die ich dann vor dem Zusammenleimen noch
mühsam hobeln musste. In die Decke wurden der Halsausschnitt, die
F-Löcher und die Öffnung für das E-Fach gesägt. Der
Boden bekam dann noch Ausschnitte für das Batteriefach und
für die Platine des Piezovorverstärkers.
Diesmal wurde zuerst die Decke auf die Zarge geleimt. Anschließend wurde die Decke gleich gechliffen, weil sie eine Wölbung erhalten sollte und ich auf diese Weise auch im Inneren noch Material abtragen konnte. Dabei kamen wieder diverse Schleifmaschinen und ein Dremel mit kleinen Fräsköpfen zum Einsatz. Zuletzt wurde dann der Boden aufgeleimt und der fertige Body geschliffen, geschliffen und nochmal geschliffen, dann feingeschliffen, gewässert und mit Nitrolack erst mit Pinselauftrag und zum Schluss spühend lackiert.
Das Tremolo
Der Saitenhalter wurde also ein
Messingwinkel, in dessen einen Schenkel ich die
Durchführungslöcher für die Saiten bohrte und der mit
dem Rundstab, um den sich das ganze Gebilde dreht, dann verlötet
wurde. Auf den anderen Schenkel sollte die Deckplatte aufgelötet
werden.
Da ich kein Autogenschweißgerät habe, kamen die Einzelteile zum zusammenlöten einfach auf die heiße Herdplatte. Naja, ganz so einfach doch nicht, weil man ja alle Teile an einem Werkstück gleichzeitig löten muss, denn beim wiederholten erhitzen würden die zuerst zusammengefügten Teile ja wieder auseinanderfallen. So schnitt ich dann in einige der zu verbindenden Teile Gewinde für 1mm Schrauben, die das Ganze dann beim Löten zusammenhielten und mit Zangen in allen Händen, Füßen und Zähnen bekam ich die Teile dann doch ganz gut zusammen.
Überaschender Weise funktionierte
das Tremolo nach dem Zusammenbau auf Anhieb, nur die Feder klapperte
etwas, bis ich ein kleines Lederstückchen untergelegt habe.
Den Hebel hab ich aus einem 5mm starkem Messingrundstab gebogen und in ein passendes Rohr gesteckt, welches auf einer kleinen Platte aufgelötet ist und hier wird er mit einer Madenschraube fixiert. Die Hebellänge zu bestimmen war dann wieder eine Try and Error Sache, die dazu führte, dass ich ihn so oft abgesägt und gebogen hab bis er endgültig zu kurz und so verdreht war, dass ich einen neuen Hebel biegen musste. Das Vernickeln des fertigen Tremolos
war dann doch schwieriger als Anfangs angenommen.
Bei der Tauchgalvanisierung lief das Messing schwarz an und bildete unschöne Blasen, weshalb ich mich dann nach mehreren vergeblichen Versuchen dazu entschloss, mit Hilfe eines schnell zusammengebastelten Handstabs, das Elektrolyt mühsam aber geduldig mit einem Schwämmchen aufzutragen. Weil das Vernickeln eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist, mit hohem Frustfaktor und nicht ganz billig bei Nichtgelingen, hab ich das Vernickeln auf einer extra Seite noch einmal ausführlich beschrieben. Die Hardware Korpus und Tremolo sind also fertig,
doch vor dem Zusammenbau müssen erst noch die Pickup Rahmen
erdacht und gebaut werden.
Die PU´s stammen aus einer No Name Telecaster und klingen erstaunlich gut. Eigentlich wollte ich Big Mag´s von Häussel einbauen, aber irgendwie hat mich der Sound der Billigteile so überzeugt, dass ich erstmal auf neue PU´ s verzichtet hab. Für den Steg PU säge ich mir aus Messing einen so großen Rahmen, wie er auch bei Tele´s üblich ist.
Inzwischen ist auch der Bausatz für den Piezovorverstärker eingetrudelt und kann zusammengelötet werden. Der Vorverstärker und die Batterie kommen je in ein Extrafach auf der Rückseite der Gitarre, die ich mit vernickelten Messingplatten verschließe. Fehlen also noch das Pickguard und die Potiknöpfe. Das Pickguard wird aus einer Tortoiseplatte ausgesägt. Uuiij, das ist aber groß. Was als Pappschablone noch dezent aussah, scheint mir aus designerischer Sicht jetzt doch etwas überdimensioniert. Nützt aber nix, das Loch in der Decke ist nicht mehr zu verkleinern und auf diese Weise hab ich immerhin komfortablen Platz für die Elektronik. Die gekauften 3-Step Knobs lassen das Pickguard noch gewaltiger aussehen und ich entschließe mich, stattdessen die Potiknöpfe auf meiner kleinen Drehbank, aus Hartholz selber zu drehen. Bis hier die gefälligste Form gefunden ist, dreh ich mir die Finger wund, und um dann 5 gleiche Knöpfe, ohne Schablone hinzukriegen, hab ich bestimmt 12 Stück drehen müssen. Die Aktion hat sich aber gelohnt. Die Knöppe bekommen noch je eine kleine Kugel, als Markierung eingeklebt und seitlich schneide ich Gewinde ins Holz, um die Knöpfe mit Madenschrauben zu befestigen.
Jolly
Jinx - Pleiten, Pech und Pannen
Was ich bislang vornehm verschwieg, soll nun hier berichtet werden. Um das Tremolo, die PU´s und den Saitenverlauf richtig zu positionieren, kam ich auf die hirnrissige Idee, vor dem endgültigen Zusammenbau, den Hals vorläufig mit Hautleim zu fixieren, um eventuelle Fehlpositionierungen noch korrigieren zu können, wenn die Löcher zur Halsbefestigung noch nicht gebohrt sind. Gedacht getan, und tatsächlich, der Hals muss noch ein, zwei Millimeterchen weiter nach links, weil der geleeartige Leim beim Zwingen etwas verrutscht ist. Also heißen Spachtel und Messer her, um den Hautleim wieder zu lösen. Nix da, der Hals sitzt bombenfest, grrrrrrrr. Was nun, ab 70°C soll der sich doch wieder lösen. Hmmm, letzte Woche schien die Sonne heiß, also ab ins Auto mit der Gitarre, da soll sie dann schön schwitzen, aber.... Das Frühjahr macht schnell noch mal Pause und nach 10 Tagen vergeblichen Wartens auf Sonne, wird dieser Plan verworfen. Das Problem ist, die gesamte Halstasche genügend zu erwärmen. Aus einer Kaffedose, einem Wasserkocher und dünnem Schlauch bastel ich mir einen Dampfstrahler. Hmm, die Idee ist nicht schlecht, aber das Ding hat nicht genug Druck. Dann bringt Schlaumeier mir einen professionellen Dampfstrahler zur Fensterreinigung und sieh da, der Hals ist ab, ein bischen Lack leider auch, ufff. Die ganze Aktion hat dann 2 Wochen gedauert, aber macht ja nix, die Kluson Lockhead Mechaniken sind, obwohl vor 2 Monaten bestellt, immer noch nicht angekommen. Nachdem die nirgends aufzutreiben sind, wegen Lieferschwierigkeiten in den USA, bestell ich dann Gotoh Magnum Lock, die auch prompt kommen, aber mehr als doppelt so teuer sind, halb so gut aussehen und in der Handhabung für mich nicht so bequem, grrrrr. Nun kann endgültig alles zusammengebaut und verkabelt werden, die Gitarre ist fertig......oder? Das erste Anspielen ist klasse, sowohl trocken, als auch am Amp. Der Hals, der aus der gleichen billigen Telecopie stammt wie die PU´s, spielt sich sehr komforttabel und hat trotzdem genug Substanz für das geforderte Sustain. Das Trem funktioniert wie es soll, bringt den glänzenden Schimmer und man kann ein bischen um die Töne rumeiern, mehr brauch es nicht. Doch beim Zuschalten des Piezos wird der Sound dünne. Trotz Vorverstärker scheint der Piezo nicht genug Power zu haben. Da ich den selben Keramikpiezostab schon in anderen Gitarren verbaut hab, tippe ich auf zu wenig Druck auf die Brücke und fertige kurzerhand noch schnell aus Messingrundstab einen Saitenniederhalter an. Sieht schick aus und fügt sich auch prima ins Design der Jolly Jinx, doch der Erfolg bleibt aus. Auf den Piezosound hat der Niederhalter keinerlei Wirkung. Bleibt also nur noch der Vorverstärker. Wieder wird Schlaumeier bemüht und kurzerhand berechnet er mal eben alle Widerstände neu, lötet auch gleich alles neu ein und mir bleibt nur noch, passende Potis zu besorgen und schon funktioniert auch der Piezo, yeah. Tja, und dann ist sie doch
tatsächlich, trotz aller Widrigkeiten fertig, die Jolly Jinx!
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