![]() |
![]() |
![]() |
|
Radiocaster hier kann man gleich zur Bauanleitung weiterskippen
VorgeschichteIrgendwann Ende der 90er, Tom
Shaka live in Bremerhaven,
entlockt seiner Danelektro
Gitarre
Sounds, die ich so einer Pappgitarre niemals zugetraut hätte. Das
war die Initialzündung für den Bau meiner ersten richtigen
Gitarre.
Was Danelektro kann, kann ich auch, nur viel besser, denn ich würde statt Hartfaserpappe, solides Sperrholz nehmen :-) und warum auch nicht? Ein Großteil der sagenumwobenen Jazzgitarren sind aus Sperrholz. Im Gegensatz zu Massivholz ist Sperrholz bei akustischen und semiakustischen Gitarren feedbacksicherer und anders als bei vollakustischen Westerngitarren und massiven Brettgitarren ist die Holzauswahl bei elektrisch verstärkten Hollowbody Gitarren weniger tonbildend, da einerseits die Decke nicht so sehr schwingen soll wie bei einer Akustikgitarre und andererseits die Holzmasse um einiges geringer ist, als bei einer massiven Brettgitarre. Außerdem ist Sperrholz auch viel billiger als Massivholz, was beim Bau eines ersten Exemplares, von dem noch niemand weiß ob es überhaupt gelingt und jemals fertig wird, ja nicht ganz unwesentlich ist. Ein weiterer Vorteil bei Verwendung von Sperrholz ist, dass sich der Bau ganz ohne Oberfräse verwirklichen lässt. |
![]() |
Lange
Rede kurzer Sinn, nach ein paar Wochen intensiver Planung und
Arbeit ist die Gitarre fertig und wow, klingt genau so wie ich es mir
vorgestellt hab.
Aber..........nach einiger Zeit stellt sich raus, der Korpus ist viel zu groß, passt in keinen Koffer und obwohl leichter als meine Les Paul, immer noch zu schwer für mich. Und die Lackierung.........naja. Da steht nun dieses rote Ding, wird hin und wieder mal für Aufnahmen genutzt, sieht aber niemals eine Bühne und harrt dem Lauf der Zeit, während ich meine Erfahrungen erweitere und auch Massivholzgitarren baue, die zwar allesamt sehr gut klingen aber natürlich niemals diesen speziellen Sound des Sperrholzexemplars erreichen. |
![]() |
| Sieben Jahre später ist es dann soweit. Mir ist das Geld für den Holzeinkauf ausgegangen, aber wie immer im Winter überkommt mich die unbändige Lust eine Gitarre zu bauen. Sperrholz hab ich noch liegen. Also ist die Rote jetzt dran. Sie soll einen neuen Korpus verpasst bekommen, kleiner, leichter schöner diesmal und auf keinen Fall rot! aber gleiches Material und Bauprinzip wie beim ersten Exemplar. |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| Die äußere Form ist
gesägt und der Halsausschnitt wird überprüft und
evtl. nachgearbeitet |
Auch die innere Zargenwand ist nun
ausgesägt |
Alle 3 Korpusteile sind jetzt zum
verleimen bereit. Bei den beiden unteren sieht man die Halsauflage |
Jetzt werden nacheinander alle
Korpusteile und der Boden zusammengeleimt |
| Man sollte übrigens niemals mehr
als zwei Teile gleichzeitig zusammen leimen, weil sonst die zu
leimenden Teile beim anziehen der Schraubzwingen verrutschen und man
dann mindestens vier Hände zuwenig hat. Sind die Zargen zusammen, wird noch der Boden darunter geleimt. Dann kommt eine kreative Pause, um festzulegen wie groß und wohin das E-Fach in die Decke soll. Die genaue Position der Tonabnehmer wird festgelegt und alles noch einmal genauestens überdacht, denn ist erst einmal die Decke aufgeleimt, sind Änderungen kaum noch möglich und dransägen kann man ja bekanntlich leider auch nicht. Man sollte ruhig jetzt schon die Löcher für die Halsbefestigung durch den Halsfuß und in den Hals bohren. Dann den Hals zumindest schon mal richtig positioniert leicht anschrauben. So kann man sicher sein, dass die Tonabnehmer, die Brücke und der Saitenhalter auch mittig angezeichnet werden. Ist man sich sicher alles bedacht zu haben, werden die Ausschnitte für Tonabnehmer und E-Fach in die Decke gesägt. |
![]() |
Die Decke wird von unten noch
beleistet, damit die Schrauben für Pu-Rahmen und E-Fach
genügend
Material zum halten haben. |
![]() |
Der Boden ist jetzt verleimt und ein
Stück Moosgummi wurde innen angeklebt, damit die Kabel kein
unerwünschtes Scheppern und keine Vibrationen hervorrufen. |
| Jetzt wird noch ein Weilchen
überlegt, ob man auch wirklich nichts vergessen hat und dann kommt
der spannende Moment. Die Decke wird aufgeleimt...... Puh, geschafft, Tee trinken, freu. Dann noch in die Zarge an geeigneter Stelle ein Loch für die Ausgangsbuchse gebohrt, und anschließend gehts an die staubigste Sache beim Gitarrenbau, das Schleifen. Hierbei ist das Material Multiplexsperrholz klar im Nachteil. Dagegen ist Ahorn wirklich weich wie Butter. Nützt ja nix, quasi als Belohnung darf dann hinterher die Gitarre auch das erste Mal zusammen gebaut werden. |
![]() |
Zum Schleifen genügt ein
Deltaschleifer, aber wer zusätzlich einen Bandschleifer zur
Verfügung
hat, ist klar im Vorteil. Wichtig ist, alle Öffnungen des Korpus
zuzukleben, weil der Schleifstaub sich sonst darin sammelt und nur
schlecht wieder daraus zu entfernen ist. Nasenempfindliche sollten eine Staubmaske verwenden und niemand sollte in kleinen, verschlossenen Räumen schleifen, weil es auch zu Staubexplosionen kommen kann, also Fenster auf. Wenn man meint alles fertig geschliffen zu haben, muss der Korpus mehrmals gründlich mit einem feuchten Tuch abgewischt werden, um jeglichen Staub zu entfernen. |
| Nun noch schnell den Hals
draufgeschraubt, den Saitenhalter befestigt, die Brücke lose
draufgelegt und Saiten draufspannen, stimmen und yeah, eine Gitarre!!! Jetzt wirds etwas fummelig, denn die Position der Brücke wird mit Stimmgerät und Ohren genau justiert, aber nicht nur die Intonation muss stimmen, sondern auch der Saitenverlauf in Bezug zum Hals. Ach, das macht richtig Spaß! |
![]() |
| Die Löcher für die
Befestigungsschrauben der Brücke und für die PU Rahmen werden
jetzt gebohrt Ebenso das Loch für die Masseverbindung vom Steg zur
Ausgangsbuchse. Schade, jetzt muss erstmal alles wieder
auseinandergebaut werden. So, jetzt kommt die Aktion, die mir schon beim ersten Versuch vor sieben Jahren gründlich danebengelungen ist. Das Lackieren ist überhaupt nicht mein Ding, muss aus meiner Sicht aber allein aus optischen und haptischen Gründen sein. Bei Massivgitarren ist es auch aus Holzschutzgründen nötig, es sei denn man entscheidet sich für das Ölen oder Wachsen, was mir bei Gitarren aber nicht besonders gefällt. Nun denn, diesmal wird gespritzt. Acryllack aus der Dose. Ich weiß, keine besonders originelle Methode, aber ich will ja nur dass es diesmal nicht allzu schrecklich aussieht. Und tatsächlich, was Millionen von Heimwerkern hinbekommen, gelingt endlich auch mir. Zum trocknen hängt die Gitarre dann Tagsüber im Schlafzimmer und Nachts in der Küche. Wir arbeiten sozusagen im Schichtdienst. Jetzt heißt es erstmal nur noch warten. Mindestens 10 Tage, besser 3 bis 4 Wochen. |
![]() |
![]() |
Verwendet wurde ein 10x10mm
Messingvierkant von 100mm Länge. In diesen wurde eine 3,2mm breite
und
8mm tiefe Nut gefräst, um sowohl das Piezoelement als auch den
Knochensteg aufzunehmen. Das
Fräsen kann man mit einer schnell laufenden Bohrmaschine im
Bohrständer oder einer kleinen Drehbank selber machen. Beim Bau
des ersten Korpus für diese Gitarre besaß ich beides jedoch
noch nicht und habe die Fräsung deshalb in einer Schlosserei
machen lassen. |
|
Das abrunden der Kanten und das
Entgraten sind fix mit einer Feile gemacht. Dann muss nur noch ein Loch
für das
Kabel des Piezos in die Nut gebohrt werden. Die Löcher zur
Befestigung
der Brücke auf der Decke, müssen nicht sein. Die Brücke
hält auch
allein durch den Saitendruck, verschiebt sich aber natürlich beim
Saitenlösen. Wenn man noch unentschlossen ist, welche
Saitenstärke man
später verwenden will, sollte man die Brücke nicht auf der
Decke
festschrauben, weil bei einer Änderung der Saitenstärke, die
Brücke
verschoben werden muss, denn sonst stimmt die Intonation nicht mehr.
Der Saitenhalter besteht aus einem Messing L-Winkel mit den Schenkelmaßen 10x20mm. Den hab ich einfach mit der Feile ein wenig abgerundet, Löcher gebohrt und fertig. Eine simple aber effektive Konstruktion, die man auch anwenden kann, wenn man sich z.B. für eine Brücke mit verschiebbaren Saitenreitern entscheidet.
Irgendwie sieht es ziemlich
unästhetisch aus, wenn am Hals ein HB
eingebaut ist und am Steg der kleinere SC. Darum habe ich den SC in
einen Pickuprahmen für Humbucker gefummelt und mit einer
Messingplatte aufgefüttert. Um den SC in den Rahmen zu bekommen,
mussten die Schraublöcher im Rahmen vorsichtig aufgebohrt werden,
uff, schwitz, alles ziemlich knapp, aber nochmal gut gegangen.
So, der Lack ist inzwischen wohl genug getrocknet und jetzt kann die Gitarre endlich endgültig zusammengebaut werden. Also, Hals wieder draufgeschraubt, diesmal so richtig festgezogen, Brücke und Saitenhalter befestigen, Pu-Rahmen samt PU´s reinschrauben, Saiten drauf, fehlt also nur noch die Verkabelung.
Als Tonabnehmer kommen am Hals ein
"Rockinger PAF-ECT Custom"
Humbucker, am Steg ein "Blade Screamer" Humbucker im Single Coil Format
und unter Stegeinlage ein keramischer Piezo zum Einsatz.
Die beiden Humbucker sind splittbar und bekommen jeder ein Push-Pull Volumen Poti und haben ein gemeinsames Tone Poti. Der Piezo hat nur ein einfaches Volumen Poti. Einen Schalter zur Anwahl der PU´s gibt es nicht. Sie werden einfach durch ihre Volumen Poti´s stufenlos zusammengemischt. Die Humbucker sind auch nicht wie üblich parallel geschaltet, sondern in Reihe, addieren also ihre Sounds, wenn beide aufgedreht sind und auch den Piezo kann man einfach dazu mischen. Zur Entkopplung haben alle Tonabnehmer noch einen Widerstand von 100kΩ eingelötet bekommen. Bevor es an den hoffentlich endgültigen Zusammenbau geht, noch ein paar Info´s zum Hals. Der wurde von mir als "70s style Big Head" bei Rockinger gekauft. Da mussten noch die Sattelkerben gefeilt und die Mechanikenlöcher aufgebohrt werden. Damit sollte es eigentlich getan sein, war´s dann aber nicht. Die Bundstäbchen waren leider wenig bis gar nicht abgerichtet, so dass schepperfreies Spielen nicht möglich war. Also musste ich noch mit der Bundfeile ran. Dieses wollte ich eigentlich vermeiden und hatte deshalb einen Fertighals gekauft. Hmm, Pech gehabt.
Das Ahorn ist von
ausgezeichneter
Qualität und nachdem der Hals jetzt schon so lange Jahre, wenn
auch wenig
gespielt, den Nikotinwolken in meiner Wohnung ausgesetzt war, ist er
schön nachgedunkelt und eine wahre Augenweide.
Endspurt So, alles fertig verlötet, Kabel rein und........nix. Verschwörung der Klinkenbuchsen! Mit der, leider nicht in die dafür vorgesehene Öffnung passenden, eckigen Buchse funktioniert alles bestens, aber jegliche irgendwie durch Modifikation passend gemachte Buchse funktioniert nicht. Nicht mal die, die ich dann noch schnell beim Fernsehfritzen im nächsten Dorf besorgt hab. Teufel auch, das gibts doch nicht. Anscheinend doch. Hier liegen immer noch fünf, ihrer Hülsen beraubte oder zurechtgesägte Buchsen rum. Schlussendlich hab ich dann die Klinkenbuchse aus meinem Banjo ausgebaut, die funzt, schnell alles zugeschraubt. Augen zu, Ohren auf und...........YEAH!!!!!!! bischen Feineinstellung mit Feile und Schleifpapier an der Stegeinlage, Gitarre fertig!
|